BIO ist in! – Von der Käfig- zur Freilandhaltung (Leseprobe)

Befürchten wir das Beste – Innovationsmanagement Up(to)date

Auszug aus: „Befürchten wir das Beste!“ – Innovationsmanagement up(to)date
Autor: Michael Schinko  ISBN 978-3-8482-1726-7

Kommen wir zu einem Kapitel, das uns im Rahmen der Vorarbeiten zu diesem Buch, sehr viel Spaß gemacht und unseren Gesprächspartnern so manches Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.

Wir haben zum Thema „BIO ist in!“ im Zusammenhang mit der Wertevorstellung von Naturschutz (dazu gehört auch der Tierschutz) folgende Geschichte erzählt:

Niederbayern ist eine der Regionen in Deutschland, in der sehr viele  Eierproduzenten und Geflügelhalter angesiedelt sind. Das passt sehr gut zu uns, da wir ja eine Agrarregion sind. Nun ist es so, dass gerade das Thema Geflügelhaltung und Massenproduktion von Eiern zu vielen Diskussionen zwischen Erzeugern, Tierschützern, Politikern und Verbrauchern geführt haben. Auslöser dafür war, dass wir im Rahmen unserer eigenen Wertevorstellungen (BIO als Lebensphilosophie) wollen, dass Tiere anständig gehalten werden, d.h. ein lebenswertes Leben führen dürfen, bevor sie dem eigentlichen Verwendungszweck nachkommen oder zugeführt werden.

Das hat dazugeführt, dass Legebatterien bei Hühnern gesetzlich verboten wurden und neuerdings, die Fläche die einem Huhn mindestens zur Verfügung stehen muss, von ehemals DIN A 5 Größe (Legebatterie) auf DIN A 4 Größe!!!  (Kleingruppenhaltung) ausgeweitet wurde. Vielen von uns reicht das nicht und wir greifen bei Eiern wenn möglich und finanziell leistbar eben genau auf diese BIO-Eier der  Klasse 0, das heißt Freilandhaltung zurück! Somit haben wir das Gefühl, dem Tier und damit auch uns Gutes zu tun! Toll, Glückshormone werden im Gehirn ausgeschüttet.
Soweit so gut! Stellen wir nun den Bezug zur Wirtschaft, d.h. zu unseren Unternehmen her. Ist es provokativ gesehen nicht so, dass Unternehmen vielfach genau diesen Legebatterien, Käfigen gleichen? Ein geschlossenes System, das von der Zielsetzung her rein auf Ertrag, Leistung, Produktivität getrimmt ist? Der Mensch als reiner Produktionsfaktor, als symbolisches „Henderl“? Leistungserbringung auf „engstem Raum“. Also Käfighaltung und hier meinen wir nicht unbedingt die Büroflächen, sondern vielmehr den Freiraum den Menschen in ihren Tätigkeiten besitzen. Den Raum für Entscheidungen, Kreativität, Initiative, Raum für flexible Arbeitszeiten usw. Wenn wir schon der Meinung sind, dass dies den Hühnern nicht gefällt, wie ist das dann bei uns?

Wir geben nochmals zu Bedenken: Bei Hühnern wurden Legebatterien gesetzlich verboten!

Freiräume sind ein unabdingbarer Faktor für Innovation, so gesehen ein richtiges Fitnessstudio für Initiative und Kreativität. Was halten Sie davon, entsprechende Freiräume für Mitarbeiter zu entwickeln? Gar nicht so einfach und sicherlich gibt es dafür kein Patentrezept.

Stellen wir uns nun vor, die Hühner/Mitarbeiter frei zu lassen, gemäß dem Ausspruch, „Wer Zäune um Menschen baut, erhält Schafe!“ Was würde trotz des sehr positiv gemeinten Ansatzes wohl passieren? Angst –Verunsicherung – sinkende Produktivität und Qualität?

Damit wird das  Arbeiten komplett ohne betriebliche Grenzen nicht sofort möglich sein. Die Umstellung auf „Freilandhaltung“ wird nicht so ohne weiteres gleich zum gewünschten Ergebnis führen. Hier ist sehr viel Feingefühl erforderlich und es gilt als erstes Fenster für einen Blick nach draußen, in die neue Welt zu integrieren, dann Türen zu öffnen und Möglichkeiten zu schaffen, neues Umfeld kennen zu lernen. Mit diesen Maßnahmen dann den Neugierfaktor oder Entdeckergeist zu wecken, um sich, wenn der Mut groß genug ist,  neues Terrain zu erschließen. Auch auf die Gefahr hin, dass die Produktivität im ersten Step eventuell sinkt. Das wird sich aber schnell relativieren und nachhaltig zum Erfolg, d.h. hohe Produktivität, gute Qualität und optimaler Ertrag, führen.

Vom Grundsatz her gilt diese Überlegung auch für die ersten Schritte hin zu einer Innovationskultur im Unternehmen.

Nutzen Sie die BIO-Welle auch für Ihre Unternehmenskultur, lernen Sie „Führen mit dem grünen Daumen“.

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